Hobby: Dressurreiten

Hobby: Dressurreiten

Wenn Reiter und Pferde das 20 x 60 Meter große Viereck betreten, herrscht im Publikum atemlose Stille. Pferdefreunde wissen jetzt, was sie beim Dressurreiten erwartet: die hohe Kunst im Pferdesport. Bei dieser Disziplin werden die natürlichen Veranlagungen des Tieres durch die richtigen Übungen nicht nur gefördert, sondern auch verfeinert. Der Reiter gibt seinem Pferd während des Ritts nur minimale Hilfe oder Signale. Das Ziel ist aber immer, dass die Übungen so exakt wie möglich ausgeführt werden.

Ein Turniersport mit Geschichte

Das Dressurreiten konnte sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts als eine reiterliche Disziplin etablieren, blieb aber lange den Offizieren der kaiserlichen Kavallerie vorbehalten. In adeligen Kreisen gab es Vorführungen des sogenannten „Horse-Ballets“, also des „Pferde-Balletts“, die heute als „Quadrillen“ bekannt sind. Ein erstes Preisreiten gab es allerdings erst 1873 in Pressburg, in der heutigen Slowakei. Die „Gesellschaft zur Prämierung gut dressierter Campagne-Pferde“ hatte diesen Einzelwettbewerb ins Leben gerufen.

In den folgenden Jahren gab es in ganz Europa ähnliche Prüfungen, die neben den üblichen Übungen allerdings auch Hindernisse enthielten. Abgeschafft wurden diese Hindernisse jedoch erst sehr spät. So gab es noch bis in die 1970er Jahre hinein am Ende der Dressur einen sogenannten „Gehorsamssprung“. Seit 1912 ist Dressurreiten olympisch und es sind die Reiterinnen, die in dieser Sportart führend sind. Diese Form des Pferdesports wird seit vielen Jahren von Deutschland dominiert, gemeinsam treten Reiter und Reiterinnen aber erst seit 2009 an.

Welches Ziel hat das Dressurreiten?

Wie bei keiner anderen Variante des Pferdesports bilden Reiter und Pferd bei der Dressur eine Einheit. Die Bewegungsabläufe machen es möglich, dass das Pferd das Gewicht seines Reiters perfekt tragen kann. Dies wiederum trägt zur Gesundheit der bei. Das Ziel bei einem Dressurritt ist, dass der Fokus auf dem Pferd liegt, was sich sowohl selbstsicher als auch ausdrucksstark präsentiert. Das Gesamtbild soll dabei auf jeden Fall immer harmonisch sein.

Die Veranlagung zum Dressurritt hat allerdings nicht jedes Pferd. Zeigt ein Tier Talent, dann wird es anhand einer Ausbildungsskala für spätere Turniere trainiert. Voraussetzung ist, dass das Pferd in psychischer und körperlicher Hinsicht immer angenehm, gehorsam und vielfältig agieren kann. Die Ausbildung eines Dressurpferds hat nichts mit Abrichten zu tun, es handelt sich dabei mehr um eine Art Gymnastik, die mit Unterstützung des Reiters immer zwanglos und locker wirkt.

Wie wird ein Dressurpferd trainiert?

Wer sich das Dressurreiten als Hobby ausgesucht hat, muss viel und in diesen investieren.

Die Ausbildung des Pferdes ist in sechs verschiedene Punkte gegliedert:

  1. Der Takt beinhaltet das zeitliche und räumliche Gleichmaß der Schritte, Tritte und Sprünge.
  2. Die Losgelassenheit ist ein Zustand, bei dem sich das Pferd mit schwingendem Rücken und einem noch vorn gerichteten Hals ohne Eile im Takt bewegt.
  3. Bei der Anlehnung soll eine weiche, federnde und gleichmäßige Verbindung zwischen Pferd und Reiter zustande kommen.
  4. Beim Schwung geht von der Hinterhand des Tieres ein energischer Impuls aus. Das Pferd wirkt schwungvoll, wie in einer Schwebephase.
  5. Die Geraderichtung bedeutet, dass die Biegung und die Stellung der hinteren Hufe in die Spur der Vorderhufe passen.
  6. Bei der Versammlung ist das Pferd mental und emotional bereit, sich unmittelbar in jede Richtung des Vierecks zu bewegen.

Diese Trainingseinheiten werden immer wieder geübt, bis die Bewegungen stimmen und das Pferd mit seinem Reiter eine Einheit bildet.

Durch welche Gangart lernt das Pferd am meisten?

Während einer Dressurprüfung muss das Pferd alle Gangarten fehlerfrei zeigen: den Schritt, den Trab sowie den Galopp. Ein guter Dressurreiter wird beim das Pferd viel traben lassen, um so die Haltung des Tieres zu verbessern. Ein optimal ausgebildetes Pferd kann man an einem aufgerichteten und vor allem erhabenen Trab erkennen. Beim Dressurreiten sind die Grundlagen der einzelnen Bewegungen von großer Bedeutung. So muss beispielsweise die Dehnungshaltung im Trab immer korrekt geritten werden. Das Pferd darf auf keinen Fall unter einer verspannten Muskulatur des Rückens leiden.

Bis der Trab ausdrucksstark, kraftvoll und gesund ist, vergeht viel Zeit. Diese perfekte Haltung lässt sich nicht durch ständige und damit monotone Wiederholungen erreichen. Das Pferd braucht Abwechslung und der Reiter muss stets darauf achten, dass die Hinterhand und die Rückenmuskulatur trainiert werden, um sie zu stärken.

So wichtig ist eine gute Ausbildung

Um beim Dressurreiten erfolgreich zu sein, ist es von größter Bedeutung, dass das Pferd gut ausgebildet und ebenso gut geritten wird. Nur in dem Fall kann die Gesundheit des Tieres garantiert werden. Zudem ist es immer wichtig, dass das Tier sich im Training und bei Turnieren sicher fühlt, denn so etwas ist eine Garantie für den Erfolg. Das klassische Dressurreiten stärkt nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern zugleich das Selbstvertrauen der Pferde. Wird das Tier richtig trainiert, dann werden seine Gelenke kräftiger und seine Beine gelenkiger.

Was ist bei einem Turnier wichtig?

Starten Pferd und Reiter bei einem Turnier, dann müssen sie eine bestimmte Anzahl von Lektionen in einer vorgeschriebenen Reihenfolge zeigen. In der Kür mit musikalischer Untermalung entscheidet der Reiter über die Abfolge. Gezeigt werden müssen die Grundgangarten, sowohl auf geraden als auch auf gebogenen Linien, und zwar vorwärts, rückwärts sowie seitwärts. In den höheren Disziplinen beim Dressurreiten kommen dann komplizierte Bewegungsabläufe dazu, wie die Piaffe, die Passage, die Galopppirouette oder die Traversale.

Die Preisrichter achten dabei auf den Sitz und wie viel Hilfe der Reiter dem Pferd gibt. Wichtig sind zudem die Beweglichkeit und die sogenannte Rittigkeit des Pferdes. Die Übungen selbst müssen so korrekt wie möglich ausgeführt werden. Die Bewertung reicht von 0 (die verlangte Übung wurde nicht gezeigt), bis zu einer 10 für eine ausgezeichnete Leistung.

Video: Dressurreiten lernen: Der korrekte Dressursitz

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Fazit zum Hobby: Dressurreiten

Der erste Dressurreiter, der eine olympische Goldmedaille gewann, hieß Carl Bonde, er kam aus Schweden und ritt „Emperor“. Bei den deutschen Reitern waren Reiner Klimke auf „Ahlerich“ und Nicole Uphoff auf „Rembrandt“ mehrfach erfolgreich. Dies gilt auch für Isabell Werth und ihr Pferd „Gigolo“, die bei Olympischen Spielen siebenmal eine Goldmedaille und fünfmal eine Silbermedaille gewannen. Damit ist weltweit die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten. Bei den Spielen 2020/21 siegte mit Jessica von Bredow-Werndl auf „TSF Dalera BB“ wieder eine Dressurreiterin aus Deutschland. Die Dressur ist die vielleicht anspruchsvollste Form des Pferdesports, daher muss in dieses Hobby viel Liebe zu Pferden und vor allem viel Zeit investiert werden.

Bild: @ depositphotos.com / Prostock

Tommy Weber
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